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Erwerb von Medienkompetenz

Die Gestaltung multimedialer Lernumgebungen in der Schule kann der Förderung von Kompetenzen dienen, die in einer Wissensgesellschaft zu wesentlichen Qualifikationen gezählt werden. Es geht in diesem Prozess um eine möglichst optimale Beantwortung der Frage,

"welche Bildungsprobleme innerhalb der Schule mit den neuen Medien besser gelöst werden können als mit herkömmlichen Mitteln. Notwendig sind daher Konzepte, die offenlegen, wie das Innovationspotential der neuen Medien für die Unterstützung neuer Lernformen und dem Arrangieren neuer Lernsituationen konkret ausgeschöpft werden kann und wie die auf diese Weise konkretisierten Ziele unter Berücksichtigung der lokalen Bedingungen erreicht werden können." (Bund- Länder- Kommission: Gutachten zur Vorbereitung des Programms: "Systematische Einbeziehung von Medien, Informations- und Kommunikationstechnologien in Lehr- und Lernprozesse", Heft 66, S.36)

Das Erlernen grundlegender Fähigkeiten und Fertigkeiten in den traditionellen Kulturtechniken des Lesens, Schreibens und Rechnens bleibt ein wesentliches Bildungsziel. Zugleich ist das Erlernen einer neuen Kulturtechnik zu unterstützen, die den praktischen Umgang mit zeitgemäßen Kommunikations- und Informationstechnologien beinhaltet. Die Herausbildung eines auf solider und umfassender Bildung angelegten Orientierungswissens dient als Basis einer sachbezogenen Anwendung in realen Situationen. Die Entwicklung überfachlicher Kompetenzen , wie Selbstständigkeit und kooperative Fähigkeiten, ist als weiteres allgemei-nes Bildungsziel zu bestimmen. Das Angebot, Handlungen in virtuelle Räume zu verlagern, verlangt vom Individuum auch Fähigkeiten, direkte zwischenmenschliche Kommunikationsformen bewusst aufzunehmen und soziales Lernen zu gestalten.


Auf Grundlage dieser allgemeinen Zielstellungen lässt sich die Nutzung des Computers in der sonderpädagogischen Förderung in vier Bereiche gliedern:

1. Der Computer als Lehr- und Lernwerkzeug
Der Einsatz des PC als "Mittel" dient der Optimierung von Lehr- und Lernprozessen zur Vermittlung, Übung, Festigung, Anwendung und Kontrolle von Wissen und Können in bestimm-ten Inhaltsbereichen (Deutsch, Mathematik, Sachkunde...). Durch die multimedialen Möglichkeiten der Darstellung von Lerninhalten wird deren Anschaulichkeit wesentlich unterstützt. Lernsoftware fördert Anregung und Motivation bei Schülerinnen und Schülern, auch aufgrund der Attraktivität und hohen gesellschaftlichen Relevanz dieses Mediums.

2. Der PC im förderdiagnostischen Prozess
Die Begleitung von Schülerinnen und Schülern in diesem Prozess ist verbunden mit den Arbeitsbereichen

  • Prävention (Verminderung der Gefahr drohender sekundärer Behinderungen),
  • Kompensation (prothetisch- instrumentelle Funktion),
  • Diagnostik (Hilfe bei der Erhebung von Lern-, Leistungs- und Persönlichkeitsmerkmalen),
  • Rehabilitation (Aktivierung, Förderung, Training beeinträchtigter Funktionen) durch computerunterstützte Interventionen.


3. Entwicklung und Anwendung neuer Lernformen
Der Einsatz des PC leistet als didaktisches Mittel einen Beitrag zur Differenzierung und Indi-vidualisierung des Unterrichts. Die Einführung des Computers kann als Impuls für die Verän-derung nicht mehr effektiver Lernformen betrachtet werden. Die Anwendung von Multimedia-Umgebungen erlaubt in hohem Maße selbstgesteuertes Lernen. Der Computereinsatz kann dazu beitragen, den Lernprozess hinsichtlich der Komponenten

  • Lernziele,
  • Lerntempo,
  • Lernwege,
  • Lernniveau,
  • Lernkontrolle

individuell anzupassen. Diese Vorgehensweise ist mit den wachsenden Möglichkeiten des kooperativen Lernens zu verknüpfen. Dies erfordert vom Lehrenden auch die Identifikation mit der Rolle als Gestalter und Unterstützer von Lernprozessen in multimedialen Lernumgebungen.

4. Medienerziehung und Lebenspraxis
Medienerziehung ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Die Schule kann in diesem Prozess wesentliche Akzente setzen, die einen Beitrag zum verantwortungsvollen Umgang mit Informationen und Medien leisten. Lehrerinnen und Lehrer benötigen dafür medienpädagogische Kompetenz. Dies beinhaltet den Zusammenhang von eigener Medienkompetenz und deren Transfer in die pädagogische Praxis. Die Anwendung neuer Medien bietet die Möglichkeit, dass Grenzen zwischen Lehrenden und Lernenden offener werden.

Die Aneignung einer elementaren informations- und kommunikationstechnologischen Grundbildung ist eine Zielstellung für Schülerinnen und Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf. Ebenso sind geschlechtsspezifische Unterschiede in der Zugangsweise zu den neuen Medien zu beachten. Dies gilt insbesondere für allgemeine Förderschulen, in denen der prozentuale Anteil von Mädchen gegenüber den Jungen deutlich geringer ist.

Die Schülerinnen und Schüler

  • benötigen eine Lesefähigkeit, die neben der sprachlichen Kompetenz auch das Verstehen von Bildern und Vorgängen in diesem Kontext einschließt. Sie sollen zwischen Virtualität und Realität unterscheiden lernen und entsprechend Informationen und Darstellungen bewerten können.
  • sollen Kenntnisse über die medialen Angebote ausprägen und ihre Bedeutung in der Gesellschaft einschätzen lernen.
  • werden befähigt, Medienangebote auszuwählen und gezielt nach Informationen zu suchen.
  • können die aktiven Gestaltungsmöglichkeiten nutzen, um ethische und ästhetische Ansprüche an multimediale Angebote zu entwickeln.
  • sollen Fähigkeiten ausprägen, die eine Anwendung veränderter Kommunikations- und Kooperationsformen ermöglichen.
  • erfahren die Vorbereitung auf die Nutzung neuer Informations- und Kommunikations-technologien in der Lebenspraxis (Geld-, Fahrscheinautomaten, Online- banking, netzbasierte Kommunikation, Simulation von Alltagssituationen auf dem Computer, Freizeitgestaltung durch Computerspiele, Computer am Arbeitsplatz). Das schließt auch die Wahrung eines angemessenen Verhältnisses zwischen der Anwendung "alter" und "neuer" Medien ein.



Autor: Jörg Piontek (Auszug aus der Konzeption für die didaktische Fortbildung m.a.u.s. an Allgemeinen Förderschulen)

 

Medien an unseren Schulen